Pressefreiheit: Kommentar von Helmut Brandstätter

„Wenn wir beim Schreiben, beim Berichten und Analysieren auch nur einen Gedanken an mögliche negative Auswirkungen unserer Arbeit zulassen, sind wir schon am Anfang vom Ende der Pressefreiheit“. So habe ich das am 6. Mai 2019 bei der Verleihung des Ari-Rath-Preises formuliert.

Das zeigt, wie schnell die Pressefreiheit auch in der Demokratie gefährdet ist. Denn auch ich hatte diese Gedanken – sonst wäre ich ja nicht auf diesen Satz gekommen. Aber ich habe ihn nie wirklich zugelassen, oder manchmal erst recht etwas geschrieben, wo ich wusste, dass wieder ein Anruf kommen würde. Von einer Politikerin oder einem Politiker, die genau das wollten: Das Gefühl verbreiten, dass journalistische Arbeit deine Existenz gefährdet.

Existenzielle Absicherung alleine aber garantiert noch keine Pressefreiheit. Redakteurinnen und Redakteure hatten in der 2. Republik lange gut bezahlte Jobs, im ORF gab es früher sogar nach 1o Jahren eine Art Pragmatisierung. Und dennoch verstanden sich manche als Verbündete der Politik. Aufstiegschancen lockten, Beschwerden zu begegnen war auch früher mühsam. Aber jetzt kommt auch noch die Sorge dazu, dass journalistische Arbeitsplätze abgebaut werden und neue Medien oft nur dumpfe Parteiorgane sind.

Aber noch schlimmer wirkt sich aus, dass für nicht wenige Machthaber in Österreich Medien einfach nur Verlautbarungsorgane ihrer Nachrichten sind. Sie wollen ihre Botschaft, und noch wichtiger, ihr Image bestimmen. Mit ihren Slogans und ihren Fotos. Da wirkt sich die zahlenmäßige Umkehr beim Personal besonders fatal aus. Früher standen starke Redaktionen einigen Presseleuten in den Ministerien gegenüber. Heute beschäftigt das Kanzleramt rund 80 Personen, die alle Medien kontrollieren, Botschaften verfassen und mit wachsender Brutalität in die schrumpfenden Redaktionen hineinregieren. In den Ministerien kommen weitere Kohorten dazu, die ÖVP Ministerien werden zentral gesteuert vom Kanzleramt.

Der Gedanke, dass journalistische Arbeit dem persönlichen Fortkommen schaden könnte, ist also sehr real. Umso mehr müssen wir uns um Bedingungen in den Medien kümmern, die eine Absicherung dieser Arbeit gewährleistet.

3 Comments
Neueste
Älteste Meistbewertete
Inline Feedbacks
View all comments
CommunityTeam
3. Mai 2021 15:46

Heute ist Tag der Pressefreiheit!

Wir nehmen diesen Tag zum Auftakt das “Monat des unabhängigen Journalismus” auszurufen.
https://zackzack.at/kampagne-fur-unabhangigen-journalismus/

Am Mittwoch begrüßen wir passend zum Thema den Chef des Deutschland-Büros von „Politico“ und Autor von „House of Kurz“ im ZackZack Club-Talk. Seid dabei!

Pauline Stoiber
3. Mai 2021 22:17

Besonder schön zu sehen, wie basti immer scharf gestochen hervorgehoben wird, wie eine marienerscheinung. Die um ihn herumstehenden darf man nur mehr unscharf wahrnehmen, schattenfiguren sozusagen.
Hätte ein kreisky sowas notwendig gehabt.
Für mich ist basti ein konturenloser grottenolm.

Steven Mitter
3. Mai 2021 19:31

Sehr geehrter Herr Brandstätter,
schön, dass Sie den Term „Machthaber“ benutzen. Ich denke, dass in Österreich noch viele Menschen glauben, dass es noch nicht wirklich schlimm ist. Ich persönlich habe eigentlich die Hoffnung schon fast aufgegeben. Ich habe Angst davor, dass wir in Ungarische Verhältnisse rutschen.
Mit freundlichen Grüßen!